Erneuerbare Energien

In Nordrhein-Westfalen werden 40 % des deutschen Industriestroms verbraucht, aber auch ein Drittel des bundesdeutschen Stroms produziert. Die Versorgungsstruktur im Ruhrgebiet basiert gegenwärtig auf zentralisierten Großkraftwerken. Die Förderung von Steinkohle wird im Jahr 2018 eingestellt, der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist bereits in vollem Gange,  in NRW wurden bzw. werden derzeit neun Kohlekraftwerke (von insgesamt 49 in Deutschland) außer Betrieb genommen. Gleichzeitig steigt seit Jahren die installierte Leistung – d. h. die maximal mögliche Anlagenleistung, nicht die tatsächlich produzierte Strommenge – im Bereich der erneuerbaren Energien. Den größten Anteil daran hat mit ca. 560 Megawatt die Sonnenenergie in Form von Fotovoltaik. 

Die räumliche Verteilung von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien stellt sich im Ruhrgebiet sowohl bezogen auf die Leistung als auch auf die Zusammensetzung der einzelnen Energieträger sehr heterogen dar. Diese Unterschiede scheinen vor allem raum- und siedlungsstrukturell bedingt zu sein. Fotovoltaikanlagen verteilen sich relativ gleichmäßig über die Region, da sie vor allem auf Gebäudedächern installiert werden und daher an die Siedlungsstruktur gebunden sind. Wasserkraftanlagen finden sich topografisch bedingt vor allem im südlichen Ruhrgebiet entlang der Ruhr und ihrer Zuflüsse. Entsprechend sind Anlagen zur Strom- und Wärmeproduktion aus Klärgas und -schlamm vor allem in der Emscher-Lippe-Zone des nördlichen Ruhrgebiets angesiedelt, an den Standorten von Kläranlagen und deren Einleitung in Fließgewässer.  Windkraftanlagen wurden insbesondere abseits der zentralen Lagen errichtet, da hier genügend Freiflächen zur Verfügung stehen. Da die Stromproduktion durch erneuerbare Energien nur schwer von der Raum- und Siedlungsstruktur zu entkoppeln ist, dürfte sich ihr Ausbau auch in Zukunft analog zur derzeitigen Struktur verhalten.

Eine Besonderheit des Portfolios erneuerbarer Energien im Ruhrgebiet ist der hohe Anteil des Grubengases. Entsprechende Anlagen gibt es vor allem in den ehemaligen Zentren des Ruhrbergbaus. Bei Grubengas handelt es sich um ein stark klimaschädliches Gas, das ein um den Faktor 21 höheres Treibhausgaspotenzial als CO2 aufweist. Da die Verbrennung des Grubengases den Treibhausgasanteil reduziert und damit die Ökobilanz verbessert, wird Grubengas seit der Einführung des 
Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 zur Stromgewinnung eingesetzt. Die Leistung der Grubengasverstromung ist  hoch, wegen der Anhebung der Wasserniveaus in den Schächten und Stollen allerdings stark rückläufig.

Trotz der schwerindustriellen Prägung des Ruhrgebiets schreitet der Ausbau erneuerbarer Energien voran. Im Vordergrund steht dabei der Umbau der zentralisierten zu dezentral organisierten Energieerzeugungsstrukturen, die mit weiteren Infrastrukturen vernetzt sind (Wärme, Abfall, Wasser). In diesem Transformationsprozess fällt insbesondere 
AkteurInnen aus Politik und Verwaltung sowie kommunalen Stadtwerken eine wichtige Rolle zu. Besonders dynamisch verläuft der Wandel derzeit in den ländlich geprägten Teilen des Ruhrgebiets – erneuerbare Energien haben hier nicht selten einen Anteil von über 40 % an der Gesamtproduktion. Hier gilt es, die Restpotenziale von Wind- und Wasserkraft 
zu ergründen und auszuschöpfen. 

Der dezentrale Ausbau der erneuerbaren Energien muss vor allem von politisch legitimierten AkteurInnen wie den kommunalen Stadtwerken vorangetrieben werden. Um die Akzeptanz der Maßnahmen zu erhöhen, sollten Konflikte, beispielsweise beim Bau von Windkraftanlagen oder verteilender Infrastruktur, durch eine frühzeitige Integration der betroffenen BürgerInnen vermieden werden. Die hohe Kapitalintensität der Energieanlagen und der Energieinfrastruktur stellt sowohl beim Umbau des gegenwärtigen Systems als auch beim Ausbau der erneuerbaren Energien eine Herausforderung dar. Angesichts der heterogenen Rahmenbedingungen sowohl naturräumlicher als auch politischer Art lässt sich die Energiewende im Ruhrgebiet weniger als detaillierter Plan charakterisieren, denn viel mehr als eine inkrementelle Strategie der kleinen Schritte.

Entwicklung installierter Stromleistungen aus erneuerbaren Energien zwischen 2010 und 2015

Die installierte Leistung von Strom aus erneuerbaren Energien – d. h. die maximal mögliche Anlagenleistung, nicht die tatsächlich produzierte Strommenge – ist zwischen den Jahren 2010 und 2015 kontinuierlich um 
insgesamt etwa 42 % von rund 928 Megawatt (MW) auf etwa 1.320 MW gestiegen. Auffällig ist das Wachstum 
vor allem in den Bereichen Fotovoltaik (plus 114 %), Windkraft (plus 28 %) sowie Biogas und -masse (plus 44 %). Im selben Zeitraum nahm die installierte Leistung der Grubengasanlagen um circa 10 % ab.

Autoren Daniel Bläser, Henning Fort
Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz
Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW)

Installierte Leistungen erneuerbarer Energien je Stadt im Jahr 2015 und die Verteilung von Energieträgern

Die Höhe der installierten Leistung und die Zusammensetzung der Energieträger einzelner Kommunen variieren erheblich. Dies ist insbesondere auf raum- und siedlungsstrukturelle Unterschiede zurückzuführen. 

Autoren Daniel Bläser, Henning Fort 
Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz
Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW)

Restriktionen und Potenziale von Windkraft

Die Errichtung neuer Windkraftanlagen unterliegt rechtlichen Beschränkungen und ist insbesondere in der 
Nähe von Siedlungsgebieten politisch umstritten. Zu berücksichtigen sind außerdem Restriktionsflächen wie 
etwa Vogelschutz- oder Naturschutzgebiete. Letztlich ist die Auswahl von geeigneten Flächen für neue Windkraftanlagen komplex und in hohem Maße abhängig von lokalen Diskursen. 

Autoren: Daniel Bläser, Henning Fort
Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage Regionalverband Ruhr (RVR), Landesamt für Natur,
Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW)

Installierte Leistung Photovoltaik je Baublock