»Gestern habe ich es noch gesehen und heute liegt es bei mir auf dem Teller!«

Der Ruhrschäfer in Oberhausen

Die Zeit der Stahlindustrie und des Kohleabbaus im Ruhrgebiet neigt sich dem Ende. Sie hinterlässt Brachflächen, die sich die Natur zurückerobert. So auch ein Areal in Oberhausen, das die Firma ThyssenKrupp als Ausgleichsfläche von Wildwuchs freihalten muss, damit es gefährdeten Tierarten Lebensraum bietet. Umrahmt von Industriegebäuden und Lagerhäusern hat die Ruhrschäferei von Florian Preis hier ihren Platz gefunden und schafft mit der Beweidung durch Schafe eine nachhaltige Alternative zum kostspieligen Einsatz von technischem Gerät. Florian Preis setzt sich mit Unternehmergeist für artgerechte Tierhaltung und den Schutz bedrohter Arten ein. Durch Verbindung innovativer Vermarktungsstrategien und radikaler Transparenz ermöglicht er Nähe und Kontakt zur Ruhrschäferei und schafft einen Kulminationspunkt vielfältiger Interessen: Rund um den selbstgebauten Stall ist ein Möglichkeitsraum entstanden, in welchem Schulausflüge, Gottesdienste und Stallfeste stattfinden und wo BesucherInnen der alte Beruf des Schafhirten nahegebracht wird. 

Agent des Wandels

Florian Preis (Geburtsjahr 1981), selbsternannter Ruhrschäfer

Engagementbereich

Nutzung industrieller Brachflächen

Ort des Engagements

Oberhausen, Bevölkerungszahl: 209.292, Bevölkerungsdichte: 2.715 EinwohnerInnen / km² (vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2014)

Forschungszeitraum 

Juli 2014 – Oktober 2014

Schafzucht als ökologisch nachhaltige Grünflächenpflege

Da Energie in Zeiten von Industrie 4.0 eine höhere Relevanz als Produktionsfaktor zugemessen wird als zu Zeiten der Kohleförderung im Revier, entstanden zahlreiche Brachflächen. Diese stellen nicht nur für die berufsmäßige Schafzucht, sondern auch für Hobbyschäfer ein noch nicht ausgeschöpftes Potenzial dar. Für 20 Schafe benötigt man eine etwa 2 Hektar große Weidefläche; nicht geeignet für eine derartige Nutzung sind Parks und Grünflächen an Schienen, ungesicherten Autobahnen sowie kontaminierte Böden. Die Vorteile sind mannigfaltig: Grünflächen werden CO²-arm, biodiversitätsfördernd und naturnah gepflegt, Dämme durch den »goldenen Tritt« der Schafe gefestigt und das Landschaftsbild durch eine ruhig grasende Herde aufgewertet. Darüber hinaus entstehen potenziell Lernorte für eine tierfreundliche Fleischproduktion und sozial nachhaltige Arbeitsverhältnisse.

Autoren: Daniel Bläser, Henning Fort, unterstützt durch Dennis Arnold
Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage Regionalverband Ruhr (RVR), eigene Recherche