»Kleingärten müssen mitten im Leben stehen.«

Kleingärten als Ort der Integration in Zeiten hoher gesellschaftlicher Besitz- und Qualifikationsstandards

Mit Sorge beobachtet der passionierte Kleingärtner Stephan Bevc die sozial ausschließende Wirkung steigender beruflicher Qualifikationsansprüche und des allgemein hohen materiellen Lebensstandards. Geprägt ist seine Perspektive von der Auf- und Abstiegsmobilität im eigenen beruflichen Umfeld. Um jederzeit für wirtschaftlich unsichere Zeiten gewappnet zu sein, entscheidet sich Bevc bewusst für einen geringinvestiven Lebensstil und bevorzugt die Pacht eines Kleingartens gegenüber dem Bau eines Eigenheims. Der Kleingarten stellt für ihn jedoch nicht nur eine wirtschaftliche Flexibilisierungsstrategie dar, sondern bietet auch persönliche Lebensqualität und insbesondere die Möglichkeit, sozial und materiell schwächer gestellten Gruppen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Kleingärten kommt darüber hinaus eine ökologische Funktion zu, da sie bei umweltgerechtem Gärtnern Agro- und Biodiversität sicherstellen; aus einer stadt-klimatologischen Perspektive betrachtet absorbieren sie Staub und überschüssiges Regenwasser und dienen als Kalt- und Frischluftschneisen in der Stadt.

Agent des Wandels

Stephan Bevc (Geburtsjahr 1967), Mitarbeiter für Energieversorgung bei einem internationalen Chemieunternehmen 

Engagementbereich

Kleingartenwesen

Ort des Engagements

Castrop-Rauxel, Bevölkerungszahl: 73.518, Bevölkerungsdichte: 1.423 EinwohnerInnen / km² (vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2014)

Forschungszeitraum

Mai 2014 – September 2014

Kleingärten als Potenzialräume für naturnahes Gärtnern und Biodiversität

In Nordrhein-Westfalen gibt es insgesamt 118.000 Kleingärten in 1.600 Kleingartenanlagen, die insbesondere in städtisch geprägten Regionen des Ruhrgebiets und der Rheinschiene zu finden sind (vgl. MKULNV o. J.). Bundesweit einmalig ist die in der Landesverfassung verankerte Förderung des Kleingartenwesens durch die öffentliche Hand. Kleingärten erfüllen ökologische, stadtklimatische sowie pädagogische Funktionen. Bei umweltgerechtem Gärtnern erhöhen sie Agro- und Biodiversität, sie absorbieren Staub und überschüssiges Regenwasser, dienen als Kalt- und Frischluftschneisen in der Stadt und stellen schließlich mit ihren Schulgärten eine Infrastruktur für Bildungsprojekte im Nachhaltigkeitsbereich zur Verfügung.

Autoren: Daniel Bläser, Henning Fort
Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage Regionalverband Ruhr (RVR)